Boeuf de Hohenlohe

Der Hohenloher Ochsenexport im 18. und 19.Jahrhundert…
…geht auch auf den Einfluss Pfarrer Mayers zurück.

Bereits in seiner Beschreibung des Amtes Kupferzell in seinem 1773 veröffentlichten „Lehrbuch für die Land- und Haußwirthe“ (dort Seite 4 des 1.Abschnitts) berichtet er:
„… Und da die Viehmastung einen besonderen Zweig der Nahrung des Amtes ausmachet, so liegen ihme Würtenberg, und die Pfalz angränzend, nahe und sehr gut; Aus beeden Ländern kaufen unsere Bauren das magere Vieh ein, und in die Pfalz sonderlich, wird das fette Vieh in Menge wieder verkaufft und verführt; doch gehet auch dieses in großer Anzahl nach Augspurg, Frankfurt, Straßburg und sogar biß über Paris hinaus wieder hinweg…“
Im 13. Abschnitt dieses Βυches widmet er sich dann der Aufzucht, der Haltung und der Fütterung des Viehs und propagiert die Ochsenmast. Der Export von Hohenloher Schlachtvieh im 18. und 19. Jh. war umfangreich und hat den Großviehhandel Frankreichs mit Ungarn ersetzt; so sind z.B. im Jahr 1781/82 von den neun Kupferzeller und Künzelsauer Handelsgesellschaften mehr als 10.378 Ochsen im Wert von fast 897 000 Gulden nach Straßburg, Mannheim und Paris exportiert worden. Selbst während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 kam der Handel nicht ganz zum Erliegen. Auch der Itzgrund und die Pfalz haben sich nachweislich an der Versorgung von Paris beteiligt. Der genaue Umfang dieses Exporterfolges bis in die 1920-er Jahre hinein ist freilich noch unerforscht. Mittelalterliche Großstädte wie Köln, Amsterdam, Hamburg, Nürnberg, Venedig, Mailand usw. haben sich damals über lange Viehtrecks vorwiegend aus dem Norden Deutschlands, aus Dänemark und Polen sowie Ungarns und der Schweiz mit Rindfleisch versorgt.
Aus Hohenlohe wurden auch große Schafherden über die Eifel und die Ardennen in die Schlachthöfe von Paris getrieben.

Illustreret-Tidende-1867

Ein Ochsentrieb aus der Dänischen Illustrierten „Illustreret Tidende“ 1867

Ochsenmast und -export brachten vorwiegend den Bauern auf den Höhen zwischen Kocher, Jagst und Tauber einen gewissen Wohlstand, sodass sich ein eigener Baustil für die „gestelzten Wohn-/Stall-Bauernhäuser“ (die sog. Pfarrer-Mayer-Häuser) herausbilden konnte – gemäß den Empfehlungen des Kupferzeller Bauernpfarrers J.F.Mayer.
Der Ruf des Ochsenfleisches aus Hohenlohe war in Paris so gut, dass dort der Qualitätsbegriff „boeuf de Hohenlohe“ aufkam.

Grienbuehl_Ochsenepitaph800

Steinrelief am ehemaligen „Gasthof Ochsen“  in Grünbühl