„Kirchenmarathon“ führt zu Kunstschätzen

 

Die Teilnehmer des Kirchenmarathons vor dem spätgotischen Hochalter von St. Katharina. Foto: privat

Mehr als 40 Teilnehmer beteiligten sich am Ausflug der Pfarrer Johann Friedrich Mayer-Gesellschaft. In einer Art „Kirchenmarathon“ führte die Halbtagestour zu sehenswerten mittelalterlichen Kirchen. Erste Station des Ausflugs war die Maria-Magdalena-Kirche in Kesselfeld. Der romanische Chorturm mit Sterngewölbe der Kirche stammt aus dem 13./14. Jahrhundert. Der später um ein Geschoss aufgestockte, schieferverkleidete Glockenturm ist mit einem markanten Pyramidendach abgedeckt. Das Kirchenschiff wurde 1607 angebaut und im folgenden Jahrhundert nochmals erneuert  und renoviert und letztmals 1888 von Regierungsbaumeister Gebhardt renoviert. Für die Dorfkirche bestehen laut Klaus Würtemberger, Kirchensall, Überlegungen, das Baudenkmal in das Hohenloher Freilandmuseum zu translozieren.

St. Michael überragt die Salzsiederstadt

Auf der großen Freitreppe der Kirche St. Michael in Schwäbisch Hall unter der Statue des Erzengel Michael nahm Pfarrer Klaus Anthes die Gruppe in Empfang. Die Kirche zählt zu den bedeutendsten Bauwerken der Salzsiederstadt. Die ursprünglich romanische Basilika wurde urkundlich erstmals 1156 erwähnt. Ab 1427 begann er Umbau zum gotischen Hallenschiff. Nach Fertigstellung des gotischen Gewölbes und Chors (1494 – 1525) wurde der Westturm um zwei achteckige Geschoss erhöht. Den Kirchenraum prägen unter anderem die Statuen der Grablegung Christi und sechs mittelalterliche Altäre. Der Hochaltar zur Passion und Auferstehung Christi (1460) und Annenaltar (1509) zählen zu den ältesten. Der sogenannte Hungerkasten erinnert mit eine Ähre aus dem Jahr 1817 an das Ende der großen Hungersnot (1811 – 1816), die sich durch die klimatischen Folgen des Vulkans Tambora in Indonesien (1815) noch verschärft hat. Unterhalb des Chores ist unter eine Glasplatte das überbaute Beinhaus zu sehen, das erst bei Arbeiten 1963 entdeckt worden ist.

Urbanskirche vom Freundeskreis gefördert

Weiter führte die Tour zu einem Kleinod unter den mittelalterlichen Kirchen Schwäbisch Halls, der Urbanskirche. Die ursprüngliche Marienkirche wurde vor 1230 durch die Schenken von Limpurg als Kapelle erbaut. Mit dem Verkauf an die freie Reichsstadt Hall 1541 wurde die Kirche zu Vorstadtkirche (Ecclesia sub urbana). Daraus wurde der irrtümlich ihr heutige Name St. Urban abgeleitet, wie Kirchen- und Stadtführerin Deubner erklärte. Sie stellte die Kunstschätze der Kirche vor, wozu der Hochaltar mit der Weihnachtsgeschichte im niederländischen Stil (um 1460), das Wandgemälde von Maria mit dem Spinnrocken (um 1400) und die Original-Barockorgel von Georg Ludwig Mezler (1778) zählen. Um Erhalt und Förderung der Kirche kümmert sich der 2005 gegründete Verein Freundeskreis Urbanskirche e. V.

St. Katharina multifunktional genutzt

St. Katharina ist vermutlich die älteste mittelalterliche Kirche von Schwäbisch Hall. Auf Mauerreste der Urkirche ist man im Verlauf des Kirchenumbaus 1896-1898 gestoßen. Nach den Plänen des Stuttgarter Baurats Heinrich Dolmetsch wurde dabei vor dem Chorraum aus dem 14. Jahrhundert mit seinen wertvollen Glasmalereien das neugotische Hauptschiff mit zwei Seitenkapellen und einem abtrennbaren Konfirmandensaal unter der Orgelempore errichtet. Der Turm mit seinem achteckigen, spitzen Helm wurde nochmals um zwei Geschosse erhöht. Die jüngsten Baumaßnahmen betrafen die bedarfsgerechte Umnutzung von St. Katharina unter Beibehaltung des Chors mit seinem Prunkstück, dem spätgotischen Hochaltar. Für die multifunktionale Nutzung des Kirchenraums standen meist die Kirchenbänke im Weg. Pfarrer Anthes schilderte den Weg der Verhandlungen mit Denkmalschutz- und Kirchenbehörden von 2021 bis 2025. Nachdem die Bänke im Dachboden von St. Michael reversibel eingelagert wurden, kann St. Katharina nun  für kirchliche Veranstaltungen wie auch weitere Events, wie Ausstellungen, Vortrags- oder Tanzveranstaltungen oder Konzerte genutzt und vermietet werden. Das Abendessen im Hotel Adler am Haller Marktplatz hat den Ausflugsteilnehmern abschließend Gelegenheit geboten, den erlebnisreichen Tag nochmals Revue passieren zu lassen.